Was ist Biomechanik?

Biomechanik untersucht, wie mechanische Kräfte auf biologische Systeme wirken. Im Kontext der Ergonomie: Wie belasten verschiedene Körperhaltungen Wirbelsäule, Gelenke und Muskeln?

Dieses Verständnis hilft, zu erkennen, warum manche Positionen angenehm sind und andere zu Beschwerden führen.

Die Wirbelsäule verstehen

Die Wirbelsäule hat drei natürliche Krümmungen:

  • Halswirbelsäule (HWS): Leichte Vorwärtskrümmung
  • Brustwirbelsäule (BWS): Rückwärtskrümmung
  • Lendenwirbelsäule (LWS): Vorwärtskrümmung (Lordose)

Diese S-Form verteilt Lasten optimal. Probleme entstehen, wenn wir sie über lange Zeit verformen – etwa durch nach vorne gebeugtes Sitzen.

Bandscheiben-Druck im Vergleich

Verschiedene Positionen belasten die Lendenwirbelsäule unterschiedlich:

  • Liegen: ~25% Grundbelastung
  • Stehen: ~100% (Referenzwert)
  • Aufrecht sitzen: ~140%
  • Nach vorne gebeugt sitzen: ~185%
  • Nach vorne gebeugt + Gewicht heben: ~275%

Quelle: Studien nach Nachemson, adaptiert

Muskeln und statische Belastung

Muskeln sind für Bewegung konzipiert. Bei statischer Belastung – also dauerhaftem Halten einer Position – werden sie unzureichend durchblutet. Die Folge: Verspannungen und Schmerzen.

Deshalb ist Bewegung wichtiger als die "perfekte" Haltung. Der beste Stuhl hilft wenig, wenn man 8 Stunden starr darin verharrt.

Konsequenzen für den Alltag

  • Regelmäßig bewegen: Position wechseln alle 30-60 Minuten
  • Lordose unterstützen: Lendenstütze nutzen beim Sitzen
  • Kopfhaltung beachten: Nicht nach vorne hängen lassen
  • Keine "perfekte" Haltung erzwingen: Vielfalt ist gesünder

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